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Unser Haus sagt uns, wann die Waschmaschine laufen soll

Solaranlage, Batterien, Wärmepumpe und E-Auto – und ein kleines Programm, das alles zusammenführt. Ein Tag mit einem Haus, das Bescheid sagt, statt uns etwas vorzuschreiben.


Montagabend, kurz nach neun.

Mein Handy meldet sich.

🌙 Fenster noch offen
Kalte Nacht: bis 11,8 °C gegen 03:00, jetzt 16,3 °C.
Noch offen: Badfenster.

Niemand hat dafür eine App geöffnet.
Niemand hat nachgesehen.

Das Haus hat von selbst Bescheid gesagt.

Mehr tut es nicht.

Zumachen müssen wir das Fenster schon selbst.

Und genau darum geht es mir:

Das Haus sagt Bescheid. Wir entscheiden.

Das ist im Grunde die Idee hinter unserer Hausautomation.


Was alles dranhängt

Über die Jahre ist einiges zusammengekommen.

Auf dem Dach liegen 30 Solarmodule. Dazu kommen zwei Batteriespeicher mit zusammen rund 11 kWh Kapazität, von denen etwa 9,5 kWh tatsächlich nutzbar sind. Außerdem gibt es ein Elektroauto mit Wallbox, seit November 2023 eine Wärmepumpe, rund 20 Zwischenstecker zur Verbrauchsmessung und gut 30 kleine Funk-Sensoren und Taster für Fenster, Türen, Temperatur, Luftfeuchte, Bewegung und Wasser. Im Keller läuft ein kleiner Rechner, der das Ganze zusammenführt.

Das Haus als Pixelbild im Abendlicht, mit Schildern an dem, was dranhängt: PV-Anlage mit 30 Modulen, Wärmepumpe, Elektroauto mit Wallbox, zwei Batteriespeicher und der zentrale Rechner im Keller, rund 30 Funk-Sensoren und rund 20 Zwischenstecker
Unser Haus als Pixelbild – und alles, was dranhängt.

Das Problem war nicht, dass eines dieser Geräte schlecht funktioniert.

Das Problem war:

Jedes hatte seine eigene App.

Die Wallbox weiß nicht, wie viel Sonne gerade auf dem Dach ankommt.

Die Wärmepumpe weiß nicht, dass irgendwo ein Fenster offensteht.

Und das Wetter weiß sowieso nichts von meinem Auto.

Also läuft bei uns ein kleines selbst geschriebenes Programm. Es hört den Geräten zu, führt die Daten zusammen und zeigt sie auf einer Seite an – auf dem Handy, am PC und sogar auf einem alten iPad, das nur noch als Anzeige dient.

Keine einzelne Smart-Home-App weiß bei uns alles. Das Haus baut sich seine eigene Sicht auf die Dinge.


Die Startseite des Dashboards am frühen Morgen: Wetter, Energie, die Prognose für den Tag und der Hinweis für große Verbraucher
Die Startseite am frühen Morgen: Wetter, Energie und die Prognose für den Tag.

06:30 Uhr: Das Haus sagt Guten Morgen

Jeden Morgen kommt eine Nachricht.

Zum Beispiel:

🌅 Morgen-Update
Gestern: ☀️ 32,2 kWh PV · Autarkie 92 %
Heute: 10–16 °C · Sonne 07:45–18:55
PV-Prognose heute: ~13 kWh

Das reicht mir eigentlich schon.

32,2 kWh vom Dach sind mehr, als unser Haus an einem durchschnittlichen Tag verbraucht – Heizung und Auto eingeschlossen.

Autarkie ist hier das einzige Fachwort, das ich wirklich brauche: Sie beschreibt, welcher Anteil unseres Verbrauchs nicht aus dem Stromnetz kam. In diesem Beispiel waren es 92 Prozent.

Und heute?

Eher grauer Himmel.

Das Haus weiß also nicht nur, was gerade passiert. Es versucht auch einzuschätzen, was als Nächstes kommt.


Vormittags: Wann lohnt sich die Waschmaschine?

Auf der Startseite steht dazu manchmal nur ein kleiner Satz:

Heute am sonnigsten 12–17 Uhr — gutes Fenster für Spülmaschine oder Auto.

Dazu gibt es eine kleine Ampel für die großen Verbraucher.

Gelb bedeutet:

Die Sonne kommt noch. Warten lohnt sich.

Grün bedeutet:

Jetzt. Es läuft gerade auf Sonnenstrom.

Und wenn nichts Sinnvolles passiert, zeigt das System einfach gar nichts an.

Das ist mir wichtig.

Ich möchte nicht ständig von meinem Smart Home benachrichtigt werden.

An richtig guten Tagen gibt es zusätzlich den Hinweis:

GRATIS-STROM!

Dann ist gerade so viel Überschuss da, dass Auto, Waschmaschine und Spülmaschine gleichzeitig interessant werden.

Die Energie wird außerdem in etwas übersetzt, mit dem jeder etwas anfangen kann.

Zum Beispiel:

32,2 kWh ≈ 32 Waschmaschinen · 179 km

Natürlich ist das nur ein Vergleich.

Aber genau dafür mag ich ihn: Strom wird plötzlich greifbar.

Und dann kommt der wichtige Punkt:

Die Waschmaschine wird nicht ferngesteuert.

Das Haus weiß, wann Strom vom Dach kommt.

Den Knopf drücken wir.

Der Hinweis auf der Startseite: Große Verbraucher: bald besser, ab etwa 12 Uhr
Die Ampel für die großen Verbraucher, hier gelb: Warten lohnt sich.

Mittags: Das Auto tankt Sonne

Beim Auto ist es anders.

Hier entscheidet das Haus tatsächlich selbst.

An der Wallbox gibt es vier Stufen:

Aus · Solar · Günstig · Max

Die vier Stufen der Wallbox im Dashboard: Aus, Solar, Günstig und Max; Solar ist gewählt
Die vier Stufen der Wallbox.

Unser Normalfall ist Solar.

Das Auto lädt dann mit dem Strom, den das Haus gerade übrig hat. Kommt eine Wolke, wird langsamer geladen. Kommt die Sonne zurück, wird wieder mehr geladen.

Günstig ist für Tage, an denen die Sonne nicht reicht.

Dann kommen zusätzlich die drei günstigsten Stunden aus dem Netz dazu.

Bei unserem festen Tarif spart das allerdings kein Geld. Es verschiebt das Laden nur in die Stunden, in denen das Netz weniger belastet ist.

Und Max bedeutet genau das, was man erwartet:

Volle Leistung. Egal woher der Strom kommt.

Am Beispieltag waren es 4 kWh, genug für ungefähr 27 Kilometer, für 43 Cent.

Und auch hier gibt es einen kleinen Haken:

Sonnenstrom ist nicht kostenlos.

Wenn ich den Strom ins Auto stecke, kann ich ihn nicht mehr ins Netz verkaufen.

Ich bezahle also nicht nur mit Strom, sondern auch mit der entgangenen Einspeisevergütung.


Abends: Zwei Akkus tragen das Haus

Mittags füllen sich die Speicher.

Abends, wenn gekocht wird, Licht brennt und die Sonne längst weg ist, geben sie den Strom wieder ab.

Das Dashboard formuliert es inzwischen selbst ziemlich schön:

Die Akkus tragen gerade das ganze Haus.

Das ist einer dieser Momente, an denen man merkt, dass aus lauter Einzelgeräten langsam ein System geworden ist.

Der Energiefluss sieht dann ungefähr so aus:

Solar → Speicher → Haus

und später:

Speicher → Haus

Im Sommer funktioniert das erstaunlich gut.

Im Juli gab es 24 Tage, an denen das Haus fast ohne Netz auskam.

Im Winter sieht die Welt anders aus. Von November bis Januar gab es keinen einzigen Tag mit mindestens 25 kWh Solarertrag.

Das gehört für mich dazu.

Eine Energiewende im eigenen Haus ist kein Dauerzustand von „100 Prozent autark“.

Es ist ein System, das je nach Wetter ganz unterschiedlich aussieht.

Abzeichen nach Monat über 400 Tage: viele Sonnentage und autarke Tage von März bis September, fast keine von November bis Januar
Abzeichen nach Monat: im Sommer fast jeden Tag, von November bis Januar fast nie.

Heizen ohne Gas

Das ist der Teil, bei dem die Geschichte etwas komplizierter wird.

Früher haben wir mit Gas geheizt.

Seit November 2023 läuft bei uns eine Wärmepumpe.

Aus einer Kilowattstunde Strom werden bei uns im Mittel etwa 3,6 Kilowattstunden Wärme.

Klingt hervorragend.

Und dann kommt der Haken:

Geheizt wird meistens dann, wenn die Sonne nicht scheint.

Unser Stromverbrauch ist deshalb gestiegen. 2022 lagen wir bei 6.571 kWh, 2025 bei 9.716 kWh. Gleichzeitig ist die Autarkie von 68 auf 54 Prozent gefallen.

Das klingt zunächst nach einem Rückschritt.

Ist es aber nicht.

Denn dafür ist das Gas weg.

Wenn man Strom und Gas zusammen betrachtet, haben wir 2025 73 Prozent weniger Energie eingekauft als 2021.

Und auch hier passt das Haus mit auf.

Wenn die Heizung läuft und ein Fenster länger offen steht als beim normalen Lüften, kommt eine Meldung:

🪟 Fenster offen & Heizung an

Das ist kein Eingriff.

Nur ein Hinweis.

Der erste komplette Winter mit diesem Hinweis steht allerdings noch bevor.

Die Wärmepumpe im Dashboard: COP 3,62 über den gesamten Betrieb, 24.986 kWh Wärme aus 6.892 kWh Strom für den Kompressor
Die Wärmepumpe im Dashboard: Faktor 3,62 über den gesamten Betrieb.

20 bis 21 Uhr: Das Haus passt mit auf

Abends wird es für mich am persönlichsten.

Um 20 Uhr gibt es eine kurze Zeile:

✅ Alles ruhig.

Oder eine Liste mit dem, was noch offen ist.

Um 21 Uhr kommt – wenn die Bedingungen stimmen – die Fenster-Erinnerung.

Aber nicht bei jedem offenen Fenster.

Nur wenn die Nacht kalt wird und das Fenster schon länger offensteht als beim normalen Lüften.

Bevor ich diese Regel gebaut habe, habe ich tatsächlich nachgezählt.

Unser Badfenster stand an 28 von 41 Abenden um 21 Uhr noch offen.

Wir sind also ziemlich genau die Leute, für die man so etwas baut.

Dazu kommen ein paar stille Helfer.

Wenn ein Raum zu feucht wird oder die Luft im Arbeitszimmer schlecht ist, fragt das Haus:

Lüften?

Aber nie nachts.

Wassermelder unter der Spüle, an der Waschmaschine und an der Heizung sind die Ausnahme. Dieser Alarm geht an die ganze Familie.

Und an der Haustür gibt es einen kleinen Taster.

Ein Druck:

Alles zu. Du kannst gehen.

Oder das Haus zählt auf, was noch offen ist.

  1. 06:30
    Morgen-Update Gestern: 32,2 kWh PV · Autarkie 92 %. PV-Prognose heute: ~13 kWh.
  2. Vormittags
    Startseite Große Verbraucher: bald besser, ab ~12 Uhr.
  3. Mittags
    Wallbox Solar: Das Auto lädt mit dem Strom, den das Haus gerade übrig hat.
  4. Abends
    Dashboard Die Akkus tragen gerade das ganze Haus.
  5. 20:00
    Abend-Meldung Alles ruhig.
  6. 21:00
    Fenster noch offen Kalte Nacht: bis 11,8 °C gegen 03:00. Noch offen: Badfenster.

Was das Haus bewusst nicht tut

Fast wichtiger als die ganzen Funktionen sind die Dinge, die ich weggelassen habe.

Es bevormundet nicht.

Das Haus gibt Hinweise.

Es startet nicht einfach die Waschmaschine.

Es entscheidet nur dort selbst, wo es sinnvoll und unauffällig ist – zum Beispiel beim Laden des Autos oder beim Umgang mit den Speichern.

Es nervt nicht.

Nachts ist Ruhe.

Außer es ist wirklich etwas passiert.

Und zu einem Thema gibt es genau eine Meldung.

Denn ein falscher Alarm reicht aus, um das Vertrauen in alle folgenden Meldungen zu ruinieren.

Es rät nicht.

Wenn ein Sensor schweigt, sagt das Haus:

Ich weiß es nicht.

Nicht:

Alles gut.

Das ist ein kleiner Unterschied.

Aber ein ziemlich wichtiger.

Es rechnet erst nach.

Ein dynamischer Stromtarif klang zunächst interessant.

Also habe ich mehr als zwölf Jahre Börsenpreise durchgerechnet.

Ergebnis:

Für uns lohnt er sich nicht.

Also haben wir ihn nicht genommen.

Und natürlich gibt es trotzdem Pannen.

Unser zweiter Akku hängt sich gelegentlich auf und ist dann nicht mehr erreichbar.

Inzwischen merkt das Haus das selbst, nimmt ihm für ein paar Stunden den Strom und startet ihn anschließend neu.

Das ist wahrscheinlich die nerdigste Form von:

„Hast du es schon einmal aus- und wieder eingeschaltet?“


Was hat es gebracht?

Ein paar Zahlen aus 2025:

2025
☀️ Strom vom Dach9.027 kWh
↗️ davon eingespeist3.329 kWh
↓ Strom aus dem Netz4.455 kWh
🏠 Verbrauch des Hauses9.716 kWh
⚡ Autarkie54 %

Dazu kommen rund 200 Sonnentage in den letzten 400 Tagen, wenn ein Sonnentag bei uns ein Tag mit mindestens 25 kWh Solarertrag ist.

Der Rekord liegt bei 55,3 kWh.

Und die Wärmepumpe schafft im bisherigen Betrieb ungefähr einen Faktor von 3,6.

Die Zahlen sind nett.

Aber eigentlich ist etwas anderes viel wichtiger:

Wir müssen nicht mehr nachsehen.

Wenn etwas wichtig ist, meldet sich das Haus.


Für Technik-Interessierte

Der ganze Zauber läuft nicht in einer magischen Cloud.

Das „Gehirn“ ist ein kleiner Rechner im Keller.

Darauf läuft ein Programm, das ich selbst geschrieben habe – inzwischen zusammen mit einer KI.

Aktuell gibt es 43 Regeln.

Jede davon prüft genau eine Sache.

Zum Beispiel:

Ist es 21 Uhr?
Wird die Nacht kälter als 12 °C?
Steht noch ein Fenster offen?

Die Messwerte bleiben bei uns im Haus.

Die Daten werden dreifach gesichert, einmal davon verschlüsselt außer Haus.

Mehr Technik möchte ich an dieser Stelle gar nicht daraus machen.

Wer genauer wissen will, wie das Ganze aufgebaut ist, bekommt irgendwann vielleicht einen eigenen Beitrag.


Und jetzt?

Jetzt kommt der erste Winter, in dem das Haus wirklich alles mitschreibt.

Wie oft läuft die Wärmepumpe?

Wie warm bleiben die Räume?

Wie viel kostet das?

Wann lohnt sich der Strom vom Dach?

Und welche Regeln helfen tatsächlich – und welche sind nur clever aussehender Quatsch?

Im Frühjahr weiß ich mehr.

Bis dahin gilt der Satz, der eigentlich über dem ganzen Projekt steht:

Das Haus soll leiser werden, nicht lauter.

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